Segeberger Wirtschaftstag 2026:
"Voller Akku – volle Leistung!"
Bad Bramstedt, 29. September 2026. “Wie voll ist heute eigentlich Ihr Akku?” Mit der Frage haben wir die Gäste des Segeberger Wirtschaftstags 2026 in der Schön Klinik Bad Bramstedt begrüßt. Und diese Frage hat uns auch durch den Abend begleitet: Mit dem diesjährigen Thema ‘Voller Akku - volle Leistung! Der Mensch als Erfolgsfaktor’ setzten wir die Leistungsfähigkeit von sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie von Führungskräften in den Fokus.
Denn Fachkräftemangel, Fehlzeiten oder Stress können die Produktivität ausbremsen. Daher ist mentale Gesundheit längst kein individuelles Problem mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die in gute Führung, Prävention von Burn-Outs und moderne Arbeitsbedingungen investieren, profitieren von geringeren Ausfallzeiten und einer stärkeren Mitarbeiterbindung.
Zu diesem Thema haben wir uns mit den Unternehmen aus dem Kreis Segeberg, Gästen aus Bundes-, Land- und Kreispolitik, der Segeberger Verwaltung und Verbänden ausgetauscht. Die Impulse dafür gaben unsere Rednerinnen und Redner: Staatssekretärin Julia Carstens (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein), Univ.-Doz. Dr. med. Gernot Langs (Ärztlicher Direktor der Schön Klinik und Chefarzt der Psychosomatische Klinik und Psychotherapie) und Arndt Schanze (Vorstandsvorsitz des HanseBelt e.V. und CEO der ExRohr GmbH).
Schleswig-Holstein als attraktiven Arbeits- und Lebensstandort stärken
Wie wichtig es ist, Mitarbeitende nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig im Unternehmen zu halten, betonte Staatssekretärin Julia Carstens. Im Gespräch mit WKS-Geschäftsführer Clemens Hermann ging es unter anderem um gute Führung, mentale Gesundheit und die Frage, wie Unternehmen und öffentliche Hand voneinander lernen können.
„Ich finde es toll, dass Sie mal einen anderen Fokus setzen und wir über die Mitarbeitenden im Mittelpunkt sprechen“, sagte Carstens mit Blick auf das Thema des Wirtschaftstags. Gerade bei mentaler Gesundheit sei es wichtig, weiter im Gespräch zu bleiben. „Wir sprechen immer mehr darüber und das ist gut so – aber noch nicht genug.“
Für Unternehmen sei es wichtig, Mitarbeitende nicht nur zu gewinnen, sondern langfristig zu halten und ihnen gute Rahmenbedingungen zu bieten. Carstens sieht hier auch die öffentliche Hand in der Verantwortung, von den Erfahrungen der Unternehmen zu lernen und bestehende Angebote weiterzuentwickeln.
Auch mit Blick auf den Fachkräftemangel müsse Schleswig-Holstein seine Stärken stärker nach außen zeigen. Fachkräfte kämen längst gezielt aus anderen Teilen Deutschlands und auch aus dem Ausland. „Wir haben ein Angebot hier. Das sollten wir dann auch gut nach vorne stellen“, so Carstens. Schleswig-Holstein habe nicht nur wirtschaftliche Standortvorteile, sondern auch eine hohe Lebensqualität. „Wir haben als Land einiges zu bieten - lassen Sie uns das weiter zeigen.“
Dabei verwies die Staatssekretärin auch auf die Ziele des Landes – unter anderem, Schleswig-Holstein zu einem klimaneutralen Industrieland zu entwickeln. „Ja, wir wissen, das ist ein ambitioniertes Ziel. Es ist noch ein langer Weg, aber ganz ehrlich: Ohne ambitionierte Ziele, ja, dann können wir uns auch wieder hinlegen.“
Der passende Arbeitsplatz statt des perfekten Arbeitsplatzes
Einen Blick aus der sozialpsychologischen und rehabilitationsmedizinischen Praxis brachte Dr. Gernot Langs in seinem Vortrag mit. Anhand zahlreicher Beispiele aus seiner langjährigen Arbeit zeigte er, wie eng psychische Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und die Passung zwischen Mensch und Arbeitsplatz miteinander verbunden sind.
Eine zentrale Botschaft seines Vortrags: Den perfekten Arbeitsplatz gibt es nicht. Entscheidend sei eher, die eigenen Fähigkeiten, Interessen und Ressourcen ebenso zu kennen wie die Anforderungen und Rahmenbedingungen eines Arbeitsplatzes. Vielmehr gehe es darum, herauszufinden, wo die eigenen Stärken am besten eingesetzt werden können – und gegebenenfalls auch Konsequenzen zu ziehen, wenn eine passende Zusammenarbeit nicht möglich ist.
Wie entscheidend diese Passung sein kann, verdeutlichte Langs am Beispiel eines Patienten mit ADHS. Dieser war in einer Verkaufsposition äußerst erfolgreich, scheiterte jedoch später in einer Abteilung für Kundenbeschwerden, weil die dortigen Anforderungen nicht zu seinen Stärken passten. „Das heißt, hier war absoluter Person-Job-Misfit. Das hat überhaupt nicht funktioniert“, erläuterte Langs. Nach der Rückkehr in seine frühere Tätigkeit verbesserte sich seine Situation deutlich.
Gerade Menschen mit ADHS könnten ihre besonderen Fähigkeiten sehr gut einbringen, wenn die passende Tätigkeit gefunden werde. „Wenn Sie ADHSler in Ihrem Team haben, was Sie garantiert haben, setzen Sie die in einer Nische ein. Die funktionieren total klasse – aber es darf ihnen nicht langweilig werden.“
Langs warb zugleich für einen realistischen Blick auf Arbeit. Langfristige Zufriedenheit am Arbeitsplatz sei wichtig, Arbeit müsse aber nicht jederzeit Spaß machen. Auch mit Blick auf Konflikte und schwierige Situationen gehe es darum, zwischen dem, was veränderbar ist, und dem, was akzeptiert werden muss, zu unterscheiden.
Für Unternehmen bedeutet das aus seiner Sicht: Mitarbeitende sollten nicht allein danach betrachtet werden, ob sie in eine Stellenbeschreibung passen. Vielmehr lohnt sich der Blick darauf, welche Fähigkeiten und Potenziale ein Mensch tatsächlich mitbringt – und an welcher Stelle diese im Unternehmen am besten zur Geltung kommen.
Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil
Zum Abschluss rückte Arndt Schanze die Unternehmenskultur in den Mittelpunkt. „Wer gestaltet eigentlich die Zukunft in einem Unternehmen? Wer steht hinter den Zahlen? Es sind nicht die Strategiepapiere, es sind nicht die Technologien, es sind nicht die Gebäude, es sind Menschen“, betonte Schanze. Menschen entwickeln Ideen, lösen Probleme, sprechen mit Kundinnen und Kunden und treffen Entscheidungen. Genau deshalb müsse der Mensch im Unternehmen eine zentrale Rolle einnehmen.
Mit der HanseBelt-Charta, die jedes Unternehmen beim Eintritt in den HanseBelt-Verein unterschreibt, stellte Schanze einen Ansatz vor, der moderne Unternehmenskultur mit wirtschaftlichem Erfolg verbindet. Die Charta reagiert auf eine sich verändernde Arbeitswelt, zunehmende Komplexität, den Wandel hin zur Wissensgesellschaft und einen Wertewandel, der Zusammenarbeit und Eigenverantwortung immer wichtiger macht. Unternehmenskultur werde damit zu einem strategischen Faktor.
Dabei gehe es nicht um eine Unternehmenskultur, in der Leistung keine Rolle spielt – im Gegenteil. „Leistung ist für mich ein klares Bekenntnis und wir müssen auch über Leistung sprechen“, sagte Schanze. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass Mitarbeitende ihre Fähigkeiten einbringen können, Verantwortung übertragen bekommen und Vertrauen erfahren. Dieses Vertrauen lasse sich nicht verordnen, sondern entstehe durch das tägliche Verhalten. „Vertrauen kann man nicht anordnen, man verdient es sich durch Verhalten.“ Führungskräfte müssten deshalb selbst vorleben, was sie von ihren Mitarbeitenden erwarten.
Wie eine solche Kultur im Alltag entstehen kann, zeigte Schanze anhand konkreter Beispiele aus seinem Unternehmen. Mitarbeitende sollten nicht nur ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen, sondern auch die Möglichkeit bekommen, zusätzliche Fähigkeiten einzubringen. So übernimmt beispielsweise einer seiner Mitarbeiter aus der Buchhaltung zusätzlich Aufgaben im Bereich Social Media. Auch der direkte Austausch mit Mitarbeitenden sei für Schanze wichtig: Regelmäßig begleite er gewerbliche Kollegen bei ihrer Arbeit, um deren Arbeitsalltag kennenzulernen und selbst daraus zu lernen.
Sein Fazit: „Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, weil alles andere unwichtig ist. Er steht im Mittelpunkt, weil ohne ihn alles andere nicht funktioniert. Der Mensch macht den Unterschied.“
Zum Abschluss fasste Jan Peter Schröder, Landrat des Kreises Segeberg, traditionell die wichtigsten Botschaften der Vorträge zusammen und betonte dabei: „Ich finde es wirklich toll, dass mehr und mehr Unternehmerinnen und Unternehmer zu unserem Wirtschaftstag kommen. Denn genau das ist der Hintergrund eines Wirtschaftstages: Dass sich Wirtschaft vernetzt, miteinander spricht und gemeinsam die Zukunft gestaltet.“
Wir von der Wirtschaftsentwicklung des Kreises Segeberg freuen uns, dass die Inhalte der Vorträge viel Anklang gefunden und für ausreichend Gesprächsstoff bis in die Abendstunden hinein gesorgt haben.
Und noch mehr freuen wir uns, jetzt schon den Ausrichtungsort für den Segeberger Wirtschaftstag 2027 bekanntgeben zu können: Im September nächsten Jahres laden wir unsere Gäste zu Dodenhof in Kaltenkirchen ein.







